In unserer Rubrik "Drachensee-Geschnatter" finden Sie Berichte und Bilder von aktuellen Naturbeobachtungen

 Drachensee - Ein Lebensraum auch für den Fischotter / Oktober 2017

Reiher, Kormoran, Mink, Fischotter ... sind Tierarten, die am Wasser leben, sich vornehmlich von Fischen ernähren und deshalb oft von Menschen als Konkurenten und als "Schädlinge" gesehen werden.

Im Rahmen des "Drachenseegeschnatters" stellt uns Heribert Mühlbauer, seit über 45 Jahren im unermüdlichen Einsatz auch für umstrittene Arten, diesmal eine Tierart vor, die wohl nur die allerwenigsten Besucher des Drachensees bisher entdecken und beobachten konnten, den Fischotter.

Aufgetaucht - Nur der der Kopf schaut aus dem Wasser

Er war war wohl schon lange vor der Flutung des Sees bei uns am Chamb, an der Kalten - und Warmen Pastritz und am Danglesbach heimisch. Aber vor allem durch menschliche Verfolgung galt sein Vorkommen bis Ende der 1960iger Jahre in Bayern als fast ausgerottet. Heute weiß man dass nur ein kleines Restvorkommen entlang der Tschechischen Grenze ihn auch bei uns vor dem Aussterben bewahrte.

Fischotter - elegant und verspielt

Für Heribert Mühlbauer war es deshalb eine grosse Freude, dass bei der Neuplanung des Drachensees und seiner Umgebung der Fischotter als Leitart für die Entwicklung eines otterfreundlichen Auwalds am Danglesbach erklärt wurde. Eine faszinierende Tierart wie der geschützte, in Mitteleuropa und Deutschland immer noch bedrohte und seltene Fischotter verdient es, am Drachensee eine echte Überlebenschance zu haben ohne Konflikte auszulösen.

Aussehen:
Sein stromlinienförmiger Körperbau, Schwimmhäute zwischen den Zehen sowie verschließbare Nasenlöcher und Ohren weisen ihn als hervorragenden Schwimmer und Taucher aus. Gute Augen und vor allem die langen Tasthaare an seiner Schnauze helfen ihm bei der Orientierung und Nahrungssuche auch bei trübem Wasser. Sein besonders dichtes und früher sehr begehrtes Fell - 50.000 Haare auf 1 Quadratzentimeter - ist überwiegend braun am Bauch hellbraun und im Bereich von Kehle und Kinn weißgrau.

Fischotter braucht Uferstreifen

Nahrung:
Das Nahrungsspektrum des Fischotters ist vielfältig - es besteht zum größten Teil aus Fischen - er verschmäht aber Amphibien, Reptilien, Krebse, Kleinsäuger oder auch Vögel nicht. Selbst Aas wie z.B. tote Fische gehören zu seinem Beuteschema.


Fischotter mit angeschwemmten Karpfen


Lebensweise:
Fischotter sind übrigens Einzelgänger. Die Ökozone des Drachensees mit den Einmündungen von Chamb und Danglesbach bieten dem Fischotter einen relativ guten Lebensraum. Nach bisherigen Beobachtungen meidet er mehr den offenen Bereich des Grundsees. Bei seinen nächtlichen Wanderungen und Beutezügen legt er zu Wasser und zu Land oft weit über 20 Kilometer zurück. Männchen besetzen dabei ein Revier bis zu 40 Kilometer Wasserstrecke. Das Wehr am Drachensee erweist sich dabei als unüberwindbares Hindernis. Die Umgehung über die Straße hat schon zu 2 Todesfällen für die Otter geführt. Weitere Verkehrsopfer sind nicht ausgeschlossen.

Verkehrsopfer am Drachensee

Fazit:
Bayernweit erholt sich der Bestand des geschützten Fischotters langsam. Um derzeit manchmal heftig diskutierte Konflikte zwischen Teichwirten und Fischottern zu lösen, gibt es seit diesem Jahr in unserem Landkreis sogar einen offiziellen Otterberater. Um am Drachensee Konflikte zu vermeiden ist es umgekehrt notwendig zu verhindern, dass weiterhin auf Flächen des Freistaates Bayern am Chamb und Danglesbach beim Mähen nicht einmal ein Mindestabstand zum Gewässer eingehalten wird. Gerade breite Uferstreifen sind es nämlich, die dem Fischotter und damit auch vielen anderen Arten einen artgerechten Lebensraum und damit auch das Überleben sichern.

Ökozone - fischotterfreundlich

 

Archiv vergangener Naturbeobachtungen am Drachensee

Silberreiher - weiße Schönheit und Eleganz am Drachensee / September 2017


Silberreiher mit Schmuckfedern

Die Vielfalt, Seltenheit und auch Schönheit der Vogelwelt des Drachensees ist für interessierte Einheimische und Gäste faszinierend. Im Rahmen des "Drachenseegeschnatters" stellt uns der LBV-Ehrenkreisvorsitzende Heribert Mühlbauer mit beeindruckenden Bildern diesmal eine Vogelart vor, die durch Größe, Eleganz und vor allem durch ihr schneeweißes Gefieder jedem Besucher des Drachensees sofort ins Auge fällt, den Silberreiher.


Silberreiher auf Baumwipfel - Überblick über Drachensee

Noch vor 25 Jahren war es eine Sensation einen Silberreiher in Deutschland oder Bayern zu beobachten. Vogelfreunde mußten bis zum Neusiedler See fahren, um diese so außergewöhnliche Vogelart zu Gesicht zu bekommen. Und erst 2012 konnten erstmals 2 Brutpaare in Deutschland in einer Graureiherkolonie entdeckt werden.

Heute gehören Silberreiher in allen Monaten des Jahres zum Erscheinungsbild des Drachensees. Vornehmlich aber im Winterhalbjahr von jetzt September/Oktober bis ungefähr April fällt er selbst Nichtfachleuten sofort und oft in größerer Anzahl auf die ihn früher meist als Storch bezeichnet haben. Silberreiher sind ungefähr so groß wie der im letzten Drachenseegeschnatter vorgestellte Graureiher, sie wirken jedoch viel schlanker, haben einen besonders auffallend langen Hals und erscheinen dadurch noch graziler und eleganter als Graureiher. Vor allem aber ist aber ihr Gefieder reinweiß. Auffallend sich auch der gelbe bis gelborange Schnabel - zur Brutzeit schwärzlich - sowie die dunklen Beine und Füße. Im Gegensatz zum auch reinweißen, aber viel kleineren Seidenreiher, der auch in ein bis zwei Exemplaren am Drachensee alljährlich auf dem Durchzug beobachtet werden kann, besitzt der Silberreiher auch keine Schmuckfedern am Kopf. Im Frühjahr kann man aber einzelne Exemplare in ihrem Prachtkleid mit auffallenden Schmuckfedern auf dem Rücken entdecken.

Strukturen im Wasser - als Rastplatz begehrt

Auch im Flug ist der Silberreiher durch seine Größe - Flügelspannweite bis fast 2 Meter - und sein reinweißes Gefieder leicht zu erkennen. Wie die anderen Reiherarten zieht auch er beim Fliegen den Kopf zwischen die Schultern zurück. Silberreiher majestätisch flach über den Drachensee fliegend zu sehen gehört mit den zu den beeindruckendsten Naturerlebnissen am Drachensee.


Silberreiher im Flug - beindruckend majestätisch

Obwohl Silberreiher an den Lebensraum Wasser und Schilf gebunden sind,  gehören nicht nur Wassertiere wie Amphibien, Fische oder größere Insekten zu ihrem Beuteschema. Silberreiher können im Winterhalbjahr rund um den Drachensee vor allem auch auf dem umliegenden Feldern und Wiesen, oft in Gesellschaft von Graureihern, bei der Jagd auf Mäuse beobachtet werden. Ohne Mäuse als wichtige Futterquelle könnten sie bei uns wohl auch kaum überleben. Ein zugefrorener Drachensee und schneebedeckte Wiesen und Felder im Umfeld waren schon öfters Ursache für verhungerte Silberreiher, wenn sie den rechtzeitigen Wegzug verpasst hatten.

Winter am Drachensee - Überleben gefährdet  

Der Drachensee und vor allem seine Ökozone mit dem Flachwasserbereich, der Verlandungszone mit den aufkommenden Bäumen und Büschen sowie den angrenzenden Wiesen und Feldern ist fast ein magischer Anziehungspunkt für diese so außergewöhnlichen weißen Reiher, die zu den eindrucksvollsten Arten in der Vogelwelt gehören.

Insel in Ökozone - Lebensgemeinschaft

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